Der Bereich der Internetkriminalität ist ein dynamisches Risikofeld, welches einem stetigen Wandel unterliegt. Für Unternehmen bedeutet das: Cyber-Risiken sind Teil des operativen Alltags.
63.459 Anzeigen gingen im Jahr 2025 vom Bereich der Internetkriminalität aus. Fälle von Cybercrime stiegen im Vergleich zum Vorjahr, 2024, um 8,6% auf 21.988 Fälle.
Cyber-Angriffe betreffen nicht nur große Konzerne, sondern Unternehmen jeder Größe. Durch die Anwendung von digitalen Zahlungssystemen, Kundendaten und der Beauftragung von externen IT-Dienstleistern steigen die Risiken, betriebswirtschaftliche Folgen durch einen Cyber-Vorfall zu erleiden. Die Anforderung an Unternehmen besteht darin, digitale Risiken systematisch zu erkennen und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben. Cyberprävention, Notfallplanung und Versicherungsschutz greifen dabei ineinander.
Eine Cyber-Versicherung ist für Unternehmen ein zentraler Baustein des Risikomanagements.
Die Cyber-Versicherung ist eine Vermögensschadenversicherung die u.a. Schäden im Zusammenhang mit Informationssicherheitsverletzungen absichert. Dabei beginnt der Versicherungsfall nicht erst beim Ausfall des Geschäftsbetriebs, sondern bereits bei Datenverlust, unbefugtem Zugriff oder Datenschutzverletzungen.
Die unterschiedlichen Cyberrisiken können je nach Schadenursache und Schadenfolge über verschiedene Bausteine einer Cyberversicherung abgesichert werden. Entscheidend ist dabei, dass nicht jeder Cybervorfall denselben Bereich betrifft.
Während ein Datenverlust vor allem den Eigenschaden betrifft, kann ein Systemausfall zur Betriebsunterbrechung führen. Betriebsunterbrechungen nach einem Cyberschaden sind von der konventionellen Betriebsunterbrechungsversicherung ausgeschlossen und können nur über eine spezifische Cyberversicherung abgedeckt werden. Eine Datenschutzverletzung kann Haftpflichtansprüche auslösen und eine manipulierte Zahlungsanweisung einen Vertrauens- oder Zahlungsmittelschaden verursachen.
Cybervorfälle betreffen in der Praxis oft mehrere Bereiche eines Unternehmens gleichzeitig.
Sind Daten, Programme oder IT-Systeme nicht verfügbar, geht es zunächst um die technische Wiederherstellung und die Aufrechterhaltung des Betriebs. Gleichzeitig kann ein solcher Vorfall Auswirkungen auf interne Abläufe, Zahlungsprozesse oder die Zusammenarbeit mit Dienstleistern haben. Besonders Angriffe über Lieferketten sind fortschreitende Risikotreiber. Eine Cyberversicherung soll deshalb nicht nur einzelne Schäden betrachten, sondern die wirtschaftlichen Folgen eines Cybervorfalls umfassend abfedern.
Nicht jeder Angriff richtet sich aber direkt gegen Daten oder Systeme. Häufig versuchen Täter:innen, Menschen zu täuschen. Beim sogenannten „Cyber Vertrauensschaden“ nutzen Kriminelle gefälschte E-Mails, falsche Identitäten oder manipulierte Zahlungsanweisungen, um Mitarbeitende zu einer Überweisung oder zur Weitergabe sensibler Informationen zu bewegen. Mit künstlicher Intelligenz können solche Täuschungen noch überzeugender werden, etwa durch personalisierte Nachrichten oder vermeintlich interne Aufforderungen.
Wenn durch einen Cybervorfall Kundendaten oder vertrauliche Informationen nach außen gelangen, kann daraus ein Haftungsthema entstehen. Die Cyber-Haftpflicht betrifft daher jene Fälle, in denen nicht nur das eigene Unternehmen geschädigt ist, sondern auch Kund:innen, Geschäftspartner oder weitere Dritte betroffen sind.
Für Unternehmer:innen ist diese Unterscheidung wichtig: Es geht nicht nur darum, die eigenen Systeme wieder zum Laufen zu bringen, sondern auch darum, mögliche Forderungen von außen professionell zu behandeln.

Eine Cyberversicherung ist nicht als einzelner Pauschalschutz zu verstehen, sondern als Kombination mehrerer Bausteine, die gemeinsam auf das konkrete Risikoprofil des Unternehmens zu geschneidert werden.
Gerade weil es nicht den einen typischen Cyber-Schaden gibt, muss das individuelle Risiko eines Unternehmens differenziert betrachtet werden.
Ebenso wichtig wie die finanzielle Absicherung ist die rasche Unterstützung im Ernstfall. Bei einem Cybervorfall zählt nicht nur, ob ein Schaden ersetzt wird, sondern auch, wie schnell ein Unternehmen wieder handlungsfähig wird. Moderne Cyberversicherungen bieten daher häufig sogenannte Assistance-Leistungen. Damit sind praktische Hilfsleistungen gemeint, z. B. Unterstützung bei der technischen Analyse, bei der Wiederherstellung von Daten oder bei der Krisenberatung. Gerade diese Leistungen sind für Unternehmen besonders wertvoll, weil im Ernstfall oft nicht sofort klar ist, welche Systeme betroffen sind und welche Schritte zuerst gesetzt werden müssen. Hier profitieren Unternehmen von spezialisierter Soforthilfe nach einem Cyberangriff.
Für viele Unternehmen ist aktuell ein guter Zeitpunkt, sich mit dem Thema Cyberversicherung auseinanderzusetzen. Der Cyberversicherungsmarkt hat sich im Vergleich zu den sehr angespannten Vorjahren etwas beruhigt. Gleichzeitig erfolgt die Risikoprüfung im KMU-Bereich häufig über komprimierte Fragestellungen, die eine Risikozeichnung durch die Versicherungsgesellschaft zugänglicher gestaltet. Das bedeutet: Kleinere und mittlere Unternehmen müssen nicht zwingend über eine große eigene IT-Abteilung verfügen, um das Thema prüfen zu lassen. Entscheidend ist vielmehr, dass grundlegende Schutzmaßnahmen vorhanden sind und die tatsächliche Risikosituation des Unternehmens nachvollziehbar dargestellt werden kann.
Die Prävention bleibt ein wichtiger Bestandteil jeder Absicherung.
Dazu gehören technische Maßnahmen wie regelmäßige Updates, Datensicherungen und Zugriffsschutz, aber auch organisatorische Maßnahmen wie klare Zuständigkeiten, Notfallpläne und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Gerade Mitarbeitende spielen eine wesentliche Rolle, weil viele Angriffe über E-Mails, Links, Anhänge oder manipulierte Nachrichten beginnen. Eine Cyberversicherung ergänzt diese Schutzmaßnahmen, ersetzt sie aber nicht. Sie verbindet im Idealfall Prävention, professionelle Hilfe im Ernstfall und finanzielle Absicherung.
Jedes Unternehmen hat andere Daten, andere Zahlungswege, andere IT-Dienstleister und andere Abhängigkeiten. Deshalb sollte zuerst geprüft werden, welche digitalen Abläufe für den Betrieb wirklich wichtig sind. Daraus ergibt sich, welche Absicherung sinnvoll ist und welche Versicherungssumme zum Unternehmen passt. Eine gut gestaltete Cyberversicherung schützt nicht vor jedem Angriff, kann aber helfen, die wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen und im Ernstfall schneller wieder handlungsfähig zu werden. Für Unternehmer:innen ist sie damit kein reines IT-Thema, sondern ein wichtiger Bestandteil moderner Unternehmensabsicherung.
Quellangaben:
www.bundeskriminalamt.at/501/files/kriminalpolizeiliche_anzeigenstatistik_2025_bf.pdf
www.finlex.io/wp-content/uploads/2024/10/Cyber-Risiken-Andrea-Kotter.pdf
www.wko.at/oe/information-consulting/unternehmensberatung-buchhaltunginformationstechnologie/cyberversicherung
Eine Cyberversicherung bedeutet nicht, dass Unternehmen ihre IT-Sicherheit vollständig an einen Versicherer auslagern können.
