Industrie und Gewerbe

Versicherungslösungen zur Förderung der Unternehmensresilienz

By 3. April 2026 No Comments

Die globale Wirtschaft ist zunehmend von Unsicherheiten und Unabwägbarkeiten geprägt. Politische Spannungen, Naturkatastrophen, Cyberangriffe und die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie haben die Verwundbarkeit globaler Lieferketten offengelegt und die strategische Planbarkeit stark beeinflusst. Mit Blick auf die globalen Lieferketten und Transportwege öffnet sich somit für österreichische Unternehmen – unabhängig deren Größe – ein neues Risikofeld, welches massive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität und die Produktivität hat.

Neue Herausforderungen für Unternehmen

In der modernen Industrie sind Produktionsprozesse zunehmend vernetzt – intern zwischen verschiedenen Standorten und extern mit Zulieferern, Dienstleistern und Abnehmern. Diese Vernetzung bringt Effizienz, birgt aber auch neue Risiken: Was passiert, wenn ein Schaden nicht direkt im eigenen Betrieb entsteht, sondern durch Dritte oder andere Unternehmensteile ausgelöst wird?

Vernetzte Risiken absichern

Genau hier setzen Versicherungslösungen zu sogenannten Wechselwirkungs- und Rückwirkungsschäden an. Zwei oft unterschätzte, aber existenzbedrohende Szenarien in der Sachversicherung.

Wechselwirkungsschäden entstehen oft innerhalb eines Unternehmensverbunds. Beispiel: Ein Brand in Werk A legt die Produktion in Werk B lahm, obwohl dort kein direkter Schaden entstanden ist.

Rückwirkungsschäden betreffen externe Partner, deren Schaden sich auf Ihr Unternehmen auswirkt. Diese Schäden entstehen durch Ereignisse außerhalb Ihres eigenen Betriebs, die jedoch Ihre Produktion oder Lieferfähigkeit beeinträchtigen. Beispiel: Brand bei einem Lieferanten.

Zur Absicherung dieser mittelbaren Schäden im Unternehmenskosmos, können diese Risiken in der Betriebsunterbrechung gesondert mitversichert werden. Dabei ist es von größter Bedeutung die zu versichernden Partner und Standorte exakt zu definieren, da diese individuell durch die Risikoträger beurteilt werden und keine pauschale Deckung für alle Lieferanten oder Standorte abgeschlossen werden kann.

Betriebsunterbrechung: ein oft unterschätztes Risiko

Insofern ist die Betriebs­unterbrechungs­versicherung (BU-Versicherung) ein zentrales Instrument zur Absicherung gegen Szenarien, welche auf die eigene Wertschöpfung einwirken können. Neben den erwähnten Zusatzdeckungen greift die klassische BU-Versicherung dann, wenn ein versicherter Sachschaden – etwa durch Feuer oder Leitungswasser – zu einer Unterbrechung des Geschäfts­betriebs führt. Die Versicherungs­leistung ersetzt in weiterer Folge den entgangenen Betriebsgewinn sowie fortlaufende Fixkosten wie Löhne und Gehälter oder Leasingraten und deckt diese ab, bis die 100 prozentige Betriebs­leistung wiederher­gestellt ist.

In der Praxis wird die BU-Versicherung jedoch häufig unterschätzt oder nicht ausreichend auf die tatsächlichen Unternehmens­risiken abgestimmt. Die Betriebe verlassen sich auf Standardlösungen, ohne die individuellen Anforderungen und Abhängigkeiten zu analysieren. Dabei ist gerade die BU-Versicherung ein hochsensibles Produkt, das maßgeschneidert auf die betrieblichen Gegebenheiten abgestimmt sein muss.

Eine kritische Differenz: Haftungszeit vs. Wiederbeschaffungszeit

Ein besonders kritischer Punkt in der BU-Versicherung ist die sogenannte Haftungszeit – also der Zeitraum, für den die Versicherung im Schadenfall Leistungen erbringt. In vielen Verträgen ist diese Zeit in der Regel auf 6 bis 24 Monate begrenzt, was auf den ersten Blick ausreichend scheint, sich allerdings bei genauerer Betrachtung als gravierende Deckungslücke erweisen kann. Mit Hinblick auf die erwähnte Instabilität globaler Lieferketten, unterscheidet sich die zeitlich dringende Wiederbeschaffung nach dem Schadenfall meist deutlich von der geplanten Investition in Neu- oder Ersatzanlagen. Die Wiederbeschaffungszeit – also der Zeitraum, der benötigt wird, um beschädigte oder zerstörte kaufmännisch und technische Betriebseinrichtung zu ersetzen und den Betrieb wieder vollständig aufzunehmen, ist somit maßgebend für die Haftungszeit.

Wirtschaft im Wandel

Globale Risiken.
Lokale Folgen.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Industriebetrieb erleidet durch einen Brand einen Totalschaden an einer spezialisierten Produktionsanlage. Die Maschine stammt von einem Hersteller in Asien, die Lieferzeit beträgt aufgrund von Engpässen und Transportverzögerungen rund 10 bis 12 Monate.

Hinzu kommen Aufbau, Inbetriebnahme und Testläufe – realistisch ist mit einer vollständigen Wiederaufnahme der Produktion erst nach 14 bis 16 Monaten zu rechnen. Ist die Haftungszeit jedoch nur auf 12 Monate begrenzt, so verbleibt der restliche Schaden trotz Versicherungsdeckung im Eigenbehalt.

Empfehlung: Versicherungsschutz regelmäßig überprüfen

Auf Basis des dynamischen wirtschaftlichen Umfelds ist es folglich essenziell, den BU-Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen und an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

  • realistische Einschätzung der Wiederbeschaffungs- und Errichtungszeiten
  • Anpassung der Haftungszeit an die tatsächlichen Erfordernisse
  • Berücksichtigung von Rückwirkungsund Wechselwirkungsschäden
  • Integration von Cyberrisiken und IT-bezogenen Unterbrechungsszenarien (separat über eine passende Cyberversicherungslösung abzudecken)

Fazit: Strategische Absicherung statt Standardlösung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung ist kein Randthema, sondern ein zentrales Element der betrieblichen Risikovorsorge. Sie entscheidet im Ernstfall darüber, ob ein Unternehmen nach einem Schadenereignis möglichst schnell und liquiditätsschonend die ursprüngliche Betriebsleistung wiedererlangt.

Jene Unternehmen, die sich heute gezielt mit den richtigen Fragen beschäftigen, die Risiken realistisch bewerten und den Versicherungsschutz gezielt anpassen, schaffen die Grundlage für Stabilität und Resilienz, auch in einem zunehmend komplexen und unsicheren wirtschaftlichen Umfeld.

Als comit verfügen wir über langjährige Erfahrung in der Absicherung von gewerblichen Risiken. Wir begleiten Sie gerne mit fundierter Beratung und individuellen Lösungen – von der Risikoanalyse bis zur optimalen Vertragsgestaltung.

Thomas Nußbaumer, MBA

Geschäftsführer

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